Liebe Frau Hierscher, lieber Herr Hierschier,
vielleicht reichen die Gedanken von Dietrich Bonhoeffer Ihnen als Trost:
Ein kostbares Geschenk
Es gibt nichts, was uns die Abwesenheit eines uns lieben
Menschen ersetzen kann und man soll das auch gar nicht
versuchen; man muss es einfach aushalten und durchhalten; das
klingt zunächst sehr hart, aber es ist doch zugleich ein großer
Trost; denn indem die Lücke wirklich unausgefüllt bleibt, bleibt
man durch sie miteinander verbunden. Es ist verkehrt, wenn
man sagt, Gott (oder die Zeit) füllt die Lücke aus; er (sie) füllt sie gar nicht aus, sondern er (sie) hält sie vielmehr gerade unausgefüllt, und hilft uns dadurch, unsere echte Gemeinschaft – wenn auch unter
Schmerzen – zu bewahren. Ferner: je schöner und voller die
Erinnerungen, desto schwerer die Trennung.
Aber die Dankbarkeit verwandelt die Qual der Erinnerung in eine stille Freude. Man trägt das vergangene Schöne nicht wie einen Stachel, sondern wie ein kostbares Geschenk in sich. Man muss sich
hüten, in den Erinnerungen zu wühlen, sich ihnen auszuliefern,
wie man auch ein kostbares Geschenk nicht immerfort betrachtet,
sondern nur zu besonderen Stunden und es sonst nur wie
einen verborgenen Schatz, dessen man sich gewiss ist, besitzt;
dann geht eine dauernde Freude und Kraft von dem Vergangenen
aus. …
Nach Dietrich Bonhoeffer in seinem Brief an Renate und Eberhard Bethge, Gefängnis Berlin-Tegel an Heiligabend 1943